Freitag, 8. November 2013

Über die Aussagekraft offizieller (telefonischer) Umfragen zum Drogenkonsum

Am 5.11.2013 wurde der Jahresbericht der deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) für das Jahr 2012 publiziert. Bis lang stieg in allen Publikationen der DBDD der %-Anteil in der Bevölkerung ab 18 Jahre mit  einer Lebenszeit-Konsumerfahrung (LZ-KE) zu irgendeiner illegalen Droge seit Beginn dieser Erhebungen stetig an (etwa bei allen 19-39 Jährigen von 14,6 % im Jahre 1990 auf 37,6 % im Jahre 2009 bzw. bei allen 18-64 Jährigen von 23,7 % im Jahre 2006 auf 26,7 % in 2009, s. DBDD-Bericht 2010). Im DBDD Bericht 2013 findet man im Vergleich der Erhebungen der Jahre 2012 zu 2009 allerdings erstmalig einen Rückgang der LZ-KE zu irgendeiner illegalen Droge von 26,7 % (2009) auf 23,9 % (2012) respektive von 13,7 Mio. auf 12,3 Mio. (Differenz 1,4 Mio.). Dies ist logisch nicht erklärbar, allenfalls wenn jene fehlenden 1,4 Mio. 18-65-Jährigen in diesen 3 Jahren alle verstorben wären ...
Diese beiden Erhebungen im Jahres-Vergleich sind nun der erste stringente Beweis dafür, dass jene Erhebungsbefragungen zum Konsum einer illegalen Droge (nicht jeder gibt schliesslich einen auch nur ehemaligen Drogenkonsum in einer angeblich "anonymen" Telefonbefragung zu) zu einem grossen %-Anteil der Antworten falsch sind, und deshalb sind diese publizierten %-Zahlen zum Drogenkonsum allenfalls auch nur grobe "Schätzwerte" mit der Tendenz ein Drittel mehr (bei Cannabis) bis das Doppelte (bei Kokain) an realer Konsumerfahrungen in der Gesamtbevölkerung im Vergleich zu diesen "offiziellen" Erhebungsdaten.  Bislang gab es für die Fehlerhaftigkeit von derartigen telefonischen Drogenkonsum-Befragungen noch keine Beweise sondern nur verschiedene Indizien, etwa a) durch Kläranlagen-Abwasser-Analysen zum Kokain-Verbrauch und Vergleich offizieller Konsum-Daten oder b) durch einen Vergleich von anderen derartigen Telefonumfragen (über tns-Emnid) mit diesbezüglichen grossen Internetumfragen, welche beide das Drogenforschungsinstitut INEIDFO wiederholt  durchführen liess, und deren widersprüchlichen Ergebnisse bereits diskutiert wurden (s. Eul und Stöver: Konsumerfahrungen zu Cannabis und anderen Drogen bei der Bevölkerung in Deutschland. Konturen, 5-2011, S. 34-40, Artikel als pdf beim Drogen-Journal "Konturen" oder unter: info@ineidfo.de) (s. auch unser vorheriges Post).

Essenz: Telefonische Meinungsumfragen zur gewünschten rechtlichen Einstellung zu einer illegalen Droge mögen noch zu 90-100 % wahrheitsgemäß und deshalb repräsentativ sein, derartige Umfragen zur Konsumerfahrung (insbesondere zu eher "heiklen" Drogen wie Kokain etc.) sind es aber deutlich nicht mehr ....

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